
„Wir orientieren uns am Leitbild
der sozialen Stadt“
Stühlinger MAGAZIN Interview mit dem neuen
Vorsitzenden der Stühlinger SPD Marko Glaubitz
Seit 18. Februar 2012 hat die Stühlinger SPD zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. In einem Interview in der neuesten Ausgabe des Stühlinger Magazins äußert er sich zu grundsätzlichen politischen Fragen, aber auch dazu, was er sich für seine Arbeit im SPD Ortsverein für 2012 vorgenommen hat.
Stühlinger MAGAZIN: Herr Glaubitz, nach dem Amt des Bundeskanzlers und des Bundespräsidenten ist nun auch der Vorsitz der Stühlinger SPD mit einem Protestanten aus der ehemaligen aus der ehemaligen DDR besetzt. Übernehmen die ehemaligen DDR-Bürger die Führung in Deutschland?
Marko Glaubitz: Nun ja, ob die geographische Herkunft der entscheidende Faktor bei der Besetzung dieser drei hochkarätigen Posten war, wage ich zu bezweifeln. Zumal für mich nicht klar ist, wie lange Angela Merkel noch das Amt der Bundeskanzlerin ausüben wird, da die Koalition in Berlin jede Woche auf Neue einen Eiertanz aufführt – und das in Zeiten, in denen wir eine klare Linie gerade für das Thema Europa brauchen.
Was Herrn Gauck angeht, so begrüße ich seine Nominierung ausdrücklich. Nicht weil er gar ideologisch gut mit der SPD übereinstimmt, sondern weil er zum einen das nötige Format hat um das Amt des Bundespräsidenten gewissenhaft auszufüllen und zum anderen weil mit ihm, nach Köhler und Wulff, endlich ein starker und unbequemer Akteur mit viel rhetorischem Geschick und vor allem mit großen Verdiensten für unser Land hat – sowohl als Bürgerrechtler in der DDR, als auch als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, die politische Bühne in Berlin betritt.
Stühlinger MAGAZIN: Warum sind Sie gerade in der SPD politisch aktiv?
Marko Glaubitz: Für mich zählt in erster Linie Solidarität und der das Zusammenstehen innerhalb der Gesellschaft, denn das sind meiner Meinung nach unsere großen zivilisatorischen Errungenschaften. Nur wenn jedes Mitglied der Gesellschaft seinen Teil, gemäß der eigenen Stärken und der eigenen Lebenssituation, einbringt, kann eine Gesellschaftsform entstehen, die es jedem Einzelnen ermöglich das Beste aus sich zu machen und sich zu frei zu entfalten – und das mit einem Netz sozialer Sicherungsmaßnahmen im Rücken. Durch meinen eigenen Werdegang weiß ich zudem sehr genau, wie wichtig es ist, dass Bildung und Chancen eines jeden nicht an die soziale Herkunft und die materiellen Verhältnisse gebunden sein dürfen - ich selbst hätte sonst nie studieren und mich verwirklichen können.
Die SPD ist für mich die einzige Partei die diese Grundwerte konsequent in allen politischen Feldern umsetzt: sei das neben der Bildungs- und Sozialpolitik auch in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der Gesundheitspolitik oder der Umweltpolitik. Für mich gibt es da keine Alternative, denn keine der anderen Parteien steht so mit beiden Beinen in der Lebenswirklichkeit der Menschen, wie die SPD.
Stühlinger MAGAZIN: Was reizt Sie an ihrem neuen Amt als Vorsitzender der Stühlinger SPD?
Marko Glaubitz: Erstens ist die Stühlinger SPD mit einem Durchschnittsalter von unter 41 Jahren und einem Anteil von 44 % Jungsozialisten im Vergleich zu anderen SPD-Gliederungen jung. Da ist Potenzial für viele neue Ideen. Zweitens habe ich festgestellt, unsere Mitglieder bringen für die politischen Prozesse sehr viel Kompetenz mit. Da kann ich nur sagen: Wenn die Stühlinger SPD wüsste, was die Stühlinger SPD weiß, dann können wir noch sehr viel mehr bewegen. Diese Kompetenz möchte ich auch noch stärker nutzen. Drittens gefällt mir das das gelebte Motto unseres Ortsvereins: Politik macht Spaß! Und Viertens: Unser Ortsverein wächst schnell: Wir haben aktuell 98 Mitglieder, vor einem Jahr waren es 78. Auf der Jahreshauptversammlung hatten standen sechs rote Parteibücher zur Verteilung an Neumitglieder an. Ich bin mir sicher: Die Hundertergrenze werden wir bald knacken!
Stühlinger MAGAZIN: Welche Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre Amtsperiode vorgenommen?
Marko Glaubitz: Ich möchte vor allem, dass wir wieder mehr diskutieren, sowohl innerhalb der Partei als auch mit den Bürgerinnen und Bürgern, sie das bei einer Veranstaltung oder bei einem gemütlichen Glas Bier. Deshalb liegt mir das STÜHLINGER FORUM besonders am Herzen. Zum anderen möchte ich gerade die jungen Mitglieder des Ortvereins weiter aktivieren und Themen wie z. B. die Netzpolitik und die Frage erörtern, wie wir sozialdemokratische Politik unter dem Einfluss des Web 2.0 und seiner neuen Beteiligungs- und Mitgestaltungsformen aussehen kann.
Stühlinger MAGAZIN: Was gefällt Ihnen außer der Stühlinger SPD am Stühlinger?
Marko Glaubitz: Ich mag den Stühlinger, weil er lebendig und gut gemischt ist: neben den verschiedensten Bevölkerungsgruppen findet sich im Stühlinger einfach auch viel soziales Leben, sei das in den vielen Lokalen, auf dem Wochenmarkt oder bei schönem Wetter im Eschholzpark. Kurz gesagt, entspricht der Stühlinger ganz meiner Vorstellung von einem modernen, urbanen Lebensraum.
Stühlinger MAGAZIN: Sie haben sich in den letzten Wochen sehr intensiv in der Frage eines neuen Rathauses auf dem Gelände des heutigen Technischen Rathauses gekümmert. Sind Ihre Forderungen für ein soziokulturelles Stadtteilzentrum, Wohnungsbau, Tiefgarage und Grünspange nicht zu teuer?
Marko Glaubitz: In den Kommunen kommt noch immer zu wenig Geld an. Was wir vorschlagen bedeutet doch, die Menschen näher ans Rathaus bringen. Das macht doch Sinn: Denn hier fallen viele wichtige Entscheidungen, die unseren Alltag betreffen.
Wir Sozialdemokraten in den Kommunen haben das Leitbild der sozialen Stadt. Es gibt keine soziale Gesellschaft ohne soziale Stadt. Es muss in den Städten und Gemeinden endlich wieder mehr Geld ankommen. Dabei setze ich nach der Bundestagswahl auch auf eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung. Denn die Stadt muss wichtige Leistungen erbringen, die wichtig für den Zusammenhalt in der Gesellschaft sind.
Stühlinger MAGAZIN: Dann müssen Sie aber bei der Diskussion um die Stadtteilleitlinien deutlich machen, was das Leitbild der sozialen Stadt für die Sozialdemokraten im Stadtteil konkret bedeutet.
Marko Glaubitz: Darauf können Sie sich verlassen! Im Vorstand haben wir beschlossen, dass wir noch vor der Sommerpause eine Veranstaltung dazu im STÜHLINGER FORUM anbieten.
Stühlinger MAGAZIN: Herr Glaubitz, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg in Ihrem neuen Amt.
Marko Glaubitz (28) ist in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) aufgewachsen, hat an der Universität Freiburg Englisch und Mathematik auf Lehramt an Gymnasien studiert und 2010 erfolgreich sein 1. Staatsexamen abgelegt. Er arbeitet heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rechenzentrum der Universität Freiburg im Bereich des E-Learning. Schwerpunkte dabei sind der Einsatz von Web 2.0 Werkzeugen, wie die Lernplattform, Wikis oder virtuelle Klassenzimmer, in der Hochschullehre und in der universitären Weiterbildung. Marko Glaubitz lebt seit vier Jahren im Stühlinger.

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